Sexarbeit als Expertise
Im März trudelte eine nette Email bei mir ein. Pia, eine der beiden Frauen die den Lustwandel Podcast betreiben, hat sich erkundigt, ob ich Lust habe eine Folge aufzunehmen.
Heyhey,ich bin Pia, Co-Host von Lustwandel, einem Podcast und Projekt über transgenerationale Prägungen weiblicher* Sexualität, also damit, wie Lust, Begehren, Scham und Schweigen über Generationen fortwirken und welche kulturellen, gesellschaftlichen und psychologischen Mechanismen dabei eine Rolle spielen.
Genau mein Thema, also habe ich recht spontan zugesagt. Beim folgenden Gespräch zum Abklären offener Fragen hat sich dann herausgestellt, dass die beiden Podcasterinnen nur von unserem Kurswesen wussten, nicht aber vom Studio LUX. Ich liebe es ja den ganzen lieben langen Tag über BDSM und alle damit verbundenen Themen zu sprechen. Allerdings sind die Kurse nur ein winziger Teil meiner Arbeitswelt - und mein Herz brennt nun mal für die Sexarbeit.
Kundige Lesende wissen auch, dass unsere Kurse Teil des Studios sind, nicht andersrum. Dabei geht es mir darum, dass Sexarbeitende Expertise haben, vor allem aber nicht nur rund um die Themen Sexualität. Das wiederum fanden die beiden Hosts extrem spannend und so stand unserer Folge nichts weiter im Weg.
Die Folge
27. Sexarbeit als Expertise - mit Velvet von Studio LUX - auf Spotify
Ausgewählte Zitate
Definition Sexarbeit
Sexarbeit ist für mich ein sehr breites Feld, das alle Formen von sexueller und erotisierter, intimer Arbeit beinhaltet. Das fängt bei Striptease an, über Onlinearbeit, Webcam, Content-Produktion im Pornobereich, klassischer Sexarbeit also Full Service mit Geschlechtsverkehr, bis hin zu dem auch sehr weiten Feld der professionellen BDSM-Dominanz.
Über Stigmatisierung
Es gibt Vorstellungen und Fantasien über Sexarbeitende, Prostituierte und Huren, die sich sehr tief in dieses gesellschaftliche Bewusstsein eingebrannt haben. So weit sogar, dass die Betitelung unserer Nachkommen eine sehr drastische Beleidigung ist. Hurensohn ist immer noch eine sehr beliebte Beleidigung. Und das ist natürlich dieser Gedanke, der dahinter steckt: Huren sind angeblich schlecht für die Gesellschaft
Mancher Feminismus....
Die Hure ist nicht schuld. Schuld ist ein patriarchisches System, das auf eine bestimmte Art und Weise die Arbeitskraft von Frauen grundsätzlich abwertet, vor allem wenn es um Sexualität geht. Dann denke ich mir: Liebe feministische Kolleginnen, deine Solidarität hört an deiner Nasenspitze auf. Eigentlich sollten wir zusammenkämpfen.
Das Bordell als Ort der Expertise
Von Anfang an war das auch schon dieser politische Gedanke: Sexarbeit als auch ein wertvolles Gut für die Gesellschaft. Wir haben Wissen aus sexueller Interaktion, wir haben Wissen über eine wohlgestaltete Sexualität, über Erotik, über Intimität. Das ist ja einfach nur viel mehr als Hinhalten und so, sondern es ist eine richtige Gestaltungsebene, die da passiert.
Mein Appell
Menschen machen Sexarbeit aus den allerunterschiedlichsten Gründen, und ich muss die Gründe auch nicht gut finden. Aber bemüht euch bitte darum, erst mal herauszufinden, was den Menschen, die aus einer problematischen Situation in die Sexarbeit gehen, tatsächlich helfen würde – anstatt zu sagen, wir verbieten Sexarbeit. Die Ursachen sind sehr viel komplexer. Informiert euch, und überlegt, ob das, was ihr da vorgekaut bekommt, tatsächlich sinnvoll ist.
Vielen Dank, liebe Pia und liebe Maren, es hat mir Spass gemacht mit euch zu sprechen.