Unter Verschluss- Teil 2

29.10.2021

Kurz gesagt

Ein Blick auf die verschiedenen Ebenen der Keuschhaltung – von Kontrolle und Verlangen über Vertrauen und Hingabe bis hin zur Bedeutung für dominante und submissive Partner.

3. Was die Keuschhaltung bei dem submissiven Part bewirken kann

Für den submissiven Part steht der Wunsch im Vordergrund, die Kontrolle über seine Lust abzugeben und sich den Wünschen bzw. Bedürfnissen seiner Herrin zu unterwerfen.

Nicht wissend, wann, wie oder ob überhaupt Erlösung gestattet sein wird.

Dies kann bis hin zur völligen Hingabe führen.

Zu dem Wunsch, dass der keusch Lebende wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes gewillt ist, „alles für seine Herrin zu tun“, um sie zufrieden und mild zu stimmen. Ihre Anerkennung zu erhalten.

Vom Verlangen zur Hingabe

Auch die Lust selbst kann durch die Enthaltsamkeit gesteigert werden.

Empfindungen intensivieren sich.

Verlangen wächst.

Mit anderen Worten:

Je länger die Keuschhaltung andauert, desto mehr verschiebt sich der Fokus des submissiven Parts auf das Wesentliche- seine Herrin.

Die Rolle von Tease and Denial

Dabei kommen dem Teasing, Edging, ruinierte Orgasmen, der Abmelkung als Spielpraktiken, aber auch dem Einbeziehen verschiedener Fetische eine wichtige und besondere Bedeutung zu.

Mit diesen ist es möglich, das lustvolle Leiden des keusch Gehaltenen zu steigern und somit seine Hingabe wachsen zu lassen. Die unbefriedigte Lust wird immer wieder bewusst angeregt.

Das Verlangen wächst.

Die Sehnsucht nach Erlösung nimmt zu.

Und mit ihr wächst die Bereitschaft, sich hinzugeben.

Wo Hingabe wächst

Diese kann der dominante Part für sich nutzen, um den Sub exakt auf seine Bedürfnisse abzurichten und vorhandene Defizite auszuloten, so dass der Submissive zum treuen Diener mit rückhaltloser Hingabe erzogen wird.

Der Keuschling geht dabei gewollt an seine Grenze.

Unter anderem, mit der Aussicht auf sexuelle Befriedigung.

Er erlebt, sich nach Belieben von seiner Herrin zur Befriedigung ihrer Lust auf anreizende Weise benutzen zu lassen. Wie sich Verlangen bei ihm aufbaut und immer wieder unerfüllt bleibt.

Anreize zu schaffen, stellt ein essentielles Mittel dar, ihn immer wieder die Lust spüren zu lassen und sein Verlangen nach Erlösung ins Unendliche zu steigern.

Dabei hat er selbst keinerlei Einfluss, da er durch zusätzliche Restriktionsmaßnahmen unter Kontrolle gehalten wird. Die Entscheidung über Erlösung liegt nicht bei ihm.

Die unbefriedigte Lust wird zur Folter- zur Herausforderung.

Und irgendwann wird der Käfig nur noch zum Symbol, da er mental fest verankert ist.

Denn die eigentliche Keuschheit findet letztendlich im Kopf statt.

Die mentale Ebene der Keuschhaltung

Mit anderen Worten: Der Submissive erlebt eine andere Form des Leidens, eine andere Form von Schmerz, der nicht physischer Natur ist.

Es ist ein psychischer Prozess.

Ein Spannungsfeld aus Verlangen, Hoffnung, Frustration und Hingabe.

Diese Spuren sieht man nicht, sondern fühlt sie.

Je länger die Keuschhaltung fortgeführt wird, desto tiefer kann die Verbindung werden.

Die dauerhafte Keuschhaltung ist nicht einfach nur ein leichtfertiges Spiel oder eine vorübergehende Laune.

Sie erfordert:

- Ernsthaftigkeit

- Ehrlichkeit

- Verlässlichkeit

- Willensstärke

Nur so entsteht Entwicklung.

Vertrauen als Grundlage

Es ist ein Sich- Einlassen, ein Loslassen und kann eine Befreiung und schließlich eine persönliche Bereicherung sein.

Dieses vollständige Sich- Öffnen gegenüber einem anderen Menschen kann mitunter Ängste, teils auch Wut und Zweifel hervorrufen.

Denn der submissive Part zeigt sich in diesem Prozess von seiner verletzlichen Seite.

Gerade deshalb ist es ein großer Schritt.

Und eine besondere Form der Hingabe.

Er muss darauf vertrauen können, aufgefangen zu werden, wenn es schwierig wird.

Dass Ängste nicht als Schwäche betrachtet werden.

Sondern als Teil des Prozesses.

Wachstum durch Hingabe

Diesen Mut, sich einer anderen Person in dieser Form anzuvertrauen und hinzugeben, ist ein gewaltiger Schritt und eine wunderbare Form der Hingabe an seine Herrin.

Die Erfahrung, Herausforderungen zu bewältigen und durchzuhalten, kann dazu führen, an sich selbst zu wachsen.

Mit der Zeit entsteht Stolz.

Der Stolz, keusch sein zu dürfen.

Der Stolz, sich bewusst für diesen Weg entschieden zu haben.

Und der Wunsch, die Bedürfnisse der Herrin auf eine Weise zu erfüllen, die ihr Freude bereitet.

Für Viele liegt genau darin die eigentliche Erfüllung.

4.Die Bedeutung der Keuschhaltung für den dominanten Part

Dem dominanten Part kommt bei dieser Spielart, insbesondere im Hinblick auf eine dauerhafte Keuschhaltung, eine große Verantwortung zu.

Er sollte in sein Gegenüber hineinfühlen können, für dessen Bedürfnisse, Ängste und dessen Zweifel ein offenes Ohr haben und sensibel auf dessen Grenzen abgestimmt sein.

Er muss einschätzen können, was sein Gegenüber benötigt, um ein bestimmtes Ziel in einem bestimmten Zeitraum erreichen zu können.

Durch dieses Erziehungsmittel erhält der dominante Part die Möglichkeit, die Hingabe seines Gegenübers zu vertiefen.

Eine Hingabe, die wiederum eine individuelle und auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Dynamik entstehen lassen kann.

Was bedeutet es für mich?

Keuschhaltung ist eines der für mich faszinierendsten Erziehungsmittel überhaupt.

Wandelt sich der anfängliche Zweifel in Stolz, den KG für mich tragen zu dürfen, kannst Du ihn Dir nicht mehr wegdenken und beginnt sich Dein Denken und Handeln immer stärker auf mich auszurichten, dann erfüllt mich das.

Wenn sich in Deinen Augen mein Glück widerspiegelt, dann bin ich zufrieden.

Ein wunderbares Mittel, dich in meinen Dienst treten zu lassen.

Werte zu erkennen.

Manieren zu erlernen.

Du wirst in meinen Händen eine bessere Version Deiner selbst werden.

Ich weiß, was gut für dich ist.

Du wirst lernen, über Dich hinauszuwachsen.

Auch mein Sadismus findet hier einen besonderen Ausdruck. Ihn kann ich hier ganz wunderbar ausleben.

Dieser kommt so richtig in Fahrt, wenn ich mit deiner unbefriedigten Lust spielen kann.

Wenn Verlangen wächst.

Wenn Sehnsucht entsteht.

Wenn die Aufmerksamkeit immer wieder auf das gelenkt wird, was unerreichbar bleibt.

Die Spannung steigt.

Die Dynamik vertieft sich.

Und genau darin liegt für mich der besondere Reiz.

Dein Betteln.

Deine Hingabe.

Die Ergebenheit in Deinen Augen.

All das erzeugt eine Dynamik, die mich fasziniert.

Und noch immer gibt es einen weiteren Schritt.

Noch eine weitere Möglichkeit, das Spiel zu vertiefen.

Nach und nach werde ich auch deine Tabus Teil unserer Dynamik werden.

Deine Lust grenzenlos, meine Befriedigung unermesslich- ein Hochgefühl, einem Rausch gleichend.

Dein Betteln ist Musik in meinen Ohren. Eine berauschende Melodie, ich tanze im Takt dieser Melodie, gehe im Rhythmus auf, koste es aus. Dein Jammern- ein Höhepunkt, Hingabe, die Ergebenheit in deinen Augen – ein unglaublicher Genuss und Befriedigung zugleich. Es gibt kein Zuviel und nichts ist genug.

Ambivalenzen halten

Zwiespalt- Gedanken kommen auf- wie gerne würdest Du Dich Deiner Lust und Befriedigung hingeben, so verführerisch, sich der Versuchung nachzugeben.

Und gleichzeitig ist da das Bedürfnis durchzuhalten.

Die Aussicht auf kurzzeitige Befriedigung steht dem Wunsch gegenüber, etwas Größerem zu dienen.

Jetzt geht es nicht mehr nur um Dich.

Hier entsteht etwas Gemeinsames und die Ausrichtung auf mich.

Den Stolz in meinen Augen zu sehen.

Das Gefühl, mir Freude zu bereiten.

Die Gewissheit, den gemeinsamen Weg weiterzugehen.

Das ist gemeinsame Erfüllung- ein Gleichklang- das Loslassen von niederen Bedürfnissen.

Ein höheres Ziel.

Befreiend.

Zufriedenheit tut sich auf.

Nicht im schnellen Nachgeben.

Sondern im bewussten Verzicht.

Im Vertrauen.

In der Hingabe.

Spielraum und Möglichkeiten

Kurzum: Der dominante Part kann mit der unbefriedigten Lust seines Partners spielen und sie bis zu dessen individuelle Grenze begleiten.

Es gibt viele Möglichkeiten, immer wieder bewusst zu machen, wer die Kontrolle über die Lust innehat.

Dabei können unterschiedliche Formen von Konsequenzen oder Verstärkungen zum Einsatz kommen.

Beispielsweise in Form von Züchtigung, Verweigerung eines Orgasmus, ruinierte Orgasmen oder durch das Abmelken.

Ebenso wichtig ist es, immer wieder neue Anreize zu schaffen, damit die Spannung erhalten bleibt.

Mein persönlicher Umgang damit

Ich gehe an dieses Thema sehr unterschiedlich heran.

Viele meiner Gäste wissen, dass ich Keuschhaltung sehr schätze und sie gern in mein Spiel einbeziehe.

Das Verlangen, von mir dauerhaft unter Verschluss gehalten zu werden, entwickelt sich dabei häufig von ganz allein durch die Dynamik der BDSM- Beziehung.

Einheitliche Regeln gibt es dafür nicht.

Individualität und Kreativität sind hier gefragt.

Je nach Persönlichkeit gestalte ich diesen Bereich sehr unterschiedlich.

So gibt es Gäste, die ausschließlich für die Zeit der Session einen KG tragen bzw. diesen einige Tage vor dem Spiel anlegen.

Ein wundervolles Spiel.

In die Tiefe geht diese Form jedoch meist nicht.

Sie dient eher der kurzzeitigen Luststeigerung.

Nur wenige meiner engen Gäste sind dauerhaft für mich verschlossen.

Dies funktioniert, weil man sich sehr gut kennt und eine Vertrauensbasis geschaffen hat.

5.Die Bedeutung für beide Seiten

Das Anlegen des KG‘s durch die Herrin bietet eine wunderbare Möglichkeit, den Weg des Sklaven in die Keuschheit und Ergebenheit zu bahnen.

Der Beginn einer intensiven und innigen Dynamik.

Gemeinsam durch den Prozess

Unabdinglich ist dabei, dass der Keuschling in der Zeit, in der er im Alltag allein zurecht kommen muss, nicht allein gelassen wird.

Je nachdem wie lange der KG vom submissiven Part getragen wird, können anfangs durchaus Stimmungsschwankungen oder das Gefühl auftreten, es nicht zu schaffen.

Gerade dann gilt es, Mut zu machen und der Person wirklich beizustehen.

Denn im Grunde möchte der Submissive nicht aufgeben.

Er gerät vielmehr schlichtweg an seine Grenzen.

Grenzen, die in diesem Moment manchmal unüberwindbar erscheinen können.

Vertrauen als Fundament

Genau hier zeigt sich die Bedeutung von Vertrauen.

Zu wissen, dass man aufgefangen wird und damit nicht allein bleibt.

Dass Zweifel ausgesprochen werden dürfen.

Und dass Schwierigkeiten nicht als Versagen bewertet werden.

Sondern als Teil des gemeinsamen Weges.

Eine Dynamik, die beide bereichert.

Entscheidend ist letztendlich, dass beide Seiten Freude an dieser Form des Spiels empfinden und eine besondere Vertrauensbasis entstehen lassen.

Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle.

Sie schafft Orientierung.

Sie schafft Sicherheit.

Und sie ermöglicht es, einen Weg zu gehen, der für beide Seiten erfüllend ist.

Denn genau darin liegt für mich die eigentliche Bedeutung von Keuschhaltung:

Nicht allein im Verzicht.

Sondern in der Verbindung, die daraus entstehen kann.

Zu Teil 1