BDSM lebt von Machtdynamiken, dem gegenseitigen Geben und Nehmen, kreativ aktiv sein oder sich hemmungslos hingeben zu dürfen. Wie passt das mit Masturbation zusammen?
Und damit meine ich für den Zweck dieses Textes nicht, dass es aufregend erniedrigend sein kann, es sich als nackter Sklave vor einer wunderschönen Herrin selbst besorgen zu müssen. Oder alle möglichen Spiele zu Zweit rund um Orgasmuskontrolle, Edging oder Tease und Denial, …
Hier soll es darum gehen, wie wir beim Solo-Play unsere Lust und Vorlieben in einem sicheren Rahmen entdecken, ausprobieren und kultivieren können.
Drei wesentliche Aspekte beim Solo-BDSM um drei Dinge: Fantasie, Empfindung und Intention. Damit schaffst du dir selbst ein Erlebnis, das sich prickelnd, wohltuend oder empowernd anfühlt. Weil du allein bist, gibt es keinen Druck, jemandem gefallen zu müssen. Du bestimmst das Tempo, kannst jederzeit die Richtung ändern und dich ganz auf das konzentrieren, was dir guttut.
Es hat etwas wunderbar befreiendes, die eigenen Wünsche auf die diese Weise zu erkunden und herauszufinden, was den eigenen Körper und Geist auf neue Weise zum Strahlen bringt.
Die Magie der Fantasie
Einer der schönsten Aspekte von Solo-BDSM ist die Vorstellungskraft. Das Gehirn wird nicht umsonst auch als größte erogene Zone des Körpers. Dein Kopf wird zur Bühne. Du kannst erkunden, wie es sich anfühlt, die Kontrolle zu haben, geführt zu werden, verspielt zu sein oder bewundert zu werden. Vielleicht stellst du dir selbst Regeln und schaffst kleine Rituale. Oder du malst dir aus, wie dein Counterpart in der Szene mit dir spielt.
Das muss nicht kompliziert sein.
Schon eine einfache Idee – eine Geste vor deinem inneren Auge, ein Satz in deinem inneren Ohr – kann deiner Lust einen besonderen Funken geben.
Fantasie ist ein sicherer Raum für Neugier. Du kannst ausprobieren, was dich reizt, und alles loslassen, was sich nicht gut anfühlt.
Sinneswahrnehmung: Dem Körper zuhören
Um deine Fantasie zu unterstützen, kannst du den ganzen Körper mit einbeziehen und die perfekte Illusion erschaffen.
Unterschiedliche Berührungen können ganz verschiedene Arten von Empfindungen und Emotionen wecken. Zarte Berührung kann beruhigend sein, fester Druck kann erdend oder beengend wirken. Texturen, Temperaturen, Rhythmus und Bewegung verändern, wie ein Erlebnis im Körper ankommt.
Du kannst dich zwar nicht wirklich ausweglos selbst fesseln, aber du dir doch eine Illusion von ausgeliefert sein erschaffen, indem du zumindest eine Hand an deinem Oberkörper oder Oberschenkel fixierst oder ein paar Seile oder Gürtel fest um deinen Körper wickelst.
Du kannst dich zwar schlecht selbst kitzeln bis du vor Lachen und Wehren keine Luft mehr bekommst, aber mit geschlossenen Augen und einer Feder kannst du einen kleinen Eindruck davon bekommen, der deine Fantasie unterstützt.
Du kannst dich zwar nicht wirklich effektiv selbst übers Knie legen, aber du kannst dich mit heruntergezogener Hose über die Armlehne beugen, und dir vorstellen, es wäre der Schoß deiner strengen Lehrerin.
Du kannst ganz für dich ausprobieren, welche Stellen deines Körpers auf verschiedene Berührungen reagieren. Vielleicht findest du dabei ganz neue erogenen Zonen oder findest einen überraschenden Fetisch.
Mit Intention spielen
Natürlich kann und will man nicht jedes Mal beim Masturbieren so einen Aufwand betreiben. Manchmal (und wahrscheinlich meistens) ist die Orgasmus-getriebene Lusterfüllung genau das Richtige.
Das hier soll eine Einladung sein, gelegentlich mal ganz bewusst davon Abzuweichen und den Solo-Akt stattdessen als BDSM Session zu begreifen mit allem drum und dran. Vorbereitung, Spiel und Aftercare.
Du kannst dir selbst diese Fragen stellen, um dir bei der Gestaltung deiner Solo-Session zu helfen.
Vorbereitung:
- Worauf bin ich neugierig? Was würde ich gerne mal erleben?
- Wie kann ich mir dazu eine passende Fantasie erzeugen?
- Was kann ich mit meinem Körper anstellen, um mich noch besser in diese Fantasiewelt hereinbegeben zu können?
- Wann und wo kann ich das ungestört ausprobieren?
Spiel:
- Was fühlt sich für mich aufregend und lustvoll an?
- Was fühlt sich entspannend für mich an?
- Wobei möchte ich länger verweilen?
Aftercare:
Lass dich nicht sofort wieder in deinen Alltag reinziehen, sondern erlaube dir etwas Zeit nach dem Spiel das Erlebte sacken zu lassen. Tu dir was Gutes für die Sinne: Einfach noch eine Weile im Bett liegen und tagträumen, eine ausgiebige Dusche und leckeres Essen.
Ein liebevoller Umgang mit Lust
BDSM-Solo-Play ist vor allem eine Form der Selbstverbindung. Es ist eine Einladung, Fantasien, Empfindungen und Gefühle mit Neugier statt mit Urteil zu erkunden.
Es ist nichts Seltsames daran, wissen zu wollen, was dich erregt oder berührt. Im Gegenteil – es ist zutiefst menschlich.
Also lass deine Fantasie wandern. Deine Lust, dein Tempo und deine Verspieltheit gehören ganz dir.